Pressemeldungen 2017


Wie schade, dass er geht!

Jörn Walter hat sich als sachkundiger und phantasievoller Stadt-Gestalter betätigt und war bei öffentlichen Auftritten ein rhetorischer Feuerkopf. Das Kulturforum Hamburg hat gern mit ihm zusammen gearbeitet, zuletzt vor einigen Monaten anlässlich des Streits um den geplanten Abriss der City-Hochhäuser, als er seine Position gleich gegen vier Kritiker brillant verteidigte und Zweifler auf seine Seite zog. Solche streitbaren Geister tun dem Hamburger Diskurs um Bauplanung und Architektur gut. Schade, dass er geht.

 

Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Vorsitzende des Kulturforums Hamburg


Zum Tode von Sir Jeffrey Tate erklärt die Vorsitzende des Kulturforums Hamburg, Cornelie Sonntag-Wolgast:

Das ist eine traurige Nachricht für die Hamburgs Musikliebhaber und die gesamte Kulturszene! Wir verlieren mit Sir Jeffrey nicht nur einen vielseitigen und warmherzigen Musiker, sondern auch einen überzeugten Europäer, der mit dem Brexit-Votum seines Heimatlandes Großbritannien sehr haderte! Noch vor wenigen Wochen haben wir Sir Jeffrey bei unserer Podiumsdiskussion „Kultur in Europa – Kultur für Europa“ als einen politisch stark interessierten Menschen erlebt, dem es vor allem darum ging, Grenzen mit Hilfe der Musik und der Sprache obsolet zu machen. Wir werden in sehr vermissen.

 

Hamburg, 3. Juni 2017

Gez. Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Parlamentarische Staatssekretärin a.D., Vorsitzende des Kulturforums Hamburg e.V.

 


Tanz bewegt Hamburg - Potentiale und Perspektiven

Bericht von Peter Helling auf NDR 90,3 Abendjournal

zur Diskussion des Kulturforum Hamburg am 8. März 2017 in der Kulturfabrik Kampnagel, Hamburg


Gruppenfoto des Vorstandes des Kulturforum Hamburg e.V.

Februar 2017

 

Bei der letzten Veranstaltung zur “Hate Speech” hatten wir fast alle Mitwirkenden des im vergangenen Dezember neu gewählten Vorstandes des Kulturforums Hamburg beisammen und nutzten die Gelegenheit, ein aktuelles Gruppenfoto aufzunehmen.

 

In der vorderen Reihe v.l.n.r. - alle nicht Bezeichneten sind gewählte Vorstandsmitglieder: Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast (Vorsitzende), Freimut Duve, Anke Kuhbier (stellv. Vorsitzende), in der hinteren Reihe Gert Hinnerk Behlmer, Christian P. Schlichte, Ekkehard Thamm (koopt.), Isabella Vértes-Schütter, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss (koopt.), Ulrike von Kieseritzky, Claudia Postel (stellv. Vorsitzende) und Renate Kammer. Aus dem Vorstand fehlen auf diesem Foto Timo Hempel sowie einige Kooptierte, die uns immer wieder hilfreich unterstützen (vielen Dank an dieser Stelle!).

Foto: Günther von der Kammer


Gedanken zur Kulturpolitik - Pressemitteilung des Kulturforum Hamburg e.V.

Januar 2017

 

Zum Auftakt des Wahljahres 2017 hat das Kulturforum Hamburg Thesen zur Kulturpolitik formuliert, von denen möglichst viele aufgegriffen, in erster Linie auch Bestandteil des kulturpolitischen Teils im Programm der SPD für die Bundestagswahl werden sollten.  Kernpunkte: der Begriff „Leitkultur“ wird abgelehnt, „da er nationale Überheblichkeit suggeriert“, so die Vorsitzende Cornelie Sonntag-Wolgast. „Unsere Leitkultur sind die Grundwerte unserer Verfassung.“  Zum Forderungskatalog gehören außerdem eine intensive Diskussion über die gesellschaftlichen Folgen des digitalen Wandels mit der Erhebung komplexer Datenmengen, eine bundesweite Initiative zur Stärkung musischer Fächer im Schulunterricht und die Gründung eines europäischen Think Tanks, an dem Kulturschafende, Künstler, Philosophen und Kulturpolitiker mitwirken sollen.

 

Gedanken zur Kulturpolitik

I. Kultur muss allen zugänglich sein – unabhängig von Einkommen, Abstammung, Bildung oder Gesundheit. Die Forderung gehört zum Grundbestand sozialdemokratischer Forderungen. Sie ist aktueller denn je. Alle Menschen haben ein Anrecht auf Teilhabe, auf kulturelle Bildung und darauf, zur Kultur beizutragen.  Das gilt für Einwanderer wie umgekehrt für Einheimische, die sich mit der Kultur der Migranten befassen sollten.

Kultur überschreitet nationale Grenzen. Sie stützt sich auf liberale Grundwerte, moralische und ethische Kriterien. Zugleich leugnet sie nicht kulturelle Differenzen. Sie grenzt nicht aus und wertet nicht ab. Alle Lebensformen der Menschen basieren auf Traditionen, die verstanden und respektiert werden sollten. Diese Vielfalt begreifen wir als Chance, kulturelle Lebenskraft weiter zu entwickeln. Den Begriff „Leitkultur“ lehnen wir ab, weil er nationale Überheblichkeit suggeriert. Unsere „Leitkultur“ sind die Grundwerte unserer Verfassung. 

 

II. Kulturpolitik fördert Aktivitäten wie

  • die Lust am Spielerischen, Experimentellen, am ergebnisoffenen Gestalten und inspirierten Zweifeln
  • hassfreie Streitlust fern von Ressentiments, Verachtung, Misstrauen, Fanatismus und Vereinfachung
  • das Widerständige
  • Lösungsvielfalt und Pluralität 

III. Der rasant fortschreitende digitale Wandel und die Erhebung komplexer Datenmengen sowie ihre wechselseitige Vernetzung  in alle gesellschaftlichen Bereiche führen zu einer neuen Transparenzgesellschaft. Diese  Entwicklung kann unsere Demokratie und unsere individuelle Freiheit gefährden, denn sie ist in der Lage, unsere Verhaltensmuster zu manipulieren. Das wirft die Frage nach einer neuen Selbstbestimmungskultur auf. Wir fordern eine verstärkte Diskussion über das Thema.

 

IV. Kultur ist die Grundlage jeder Bildung. Schon in frühkindlichen Bildungseinrichtungen sollten Kunst, Musik und Theater zum unersetzbaren Bestandteil des Gesamtbildungsprogramms gehören und fest mit ausreichender Unterrichtszeit im Stundenplan verankert sein. Die Heranführung an Kultur in der Schule sollte bereichert werden durch altersgerechte Besuche in Theatern, Konzerten und Ausstellungen. Kontakt mit Musikinstrumenten und Begegnungen mit Kulturschaffenden sollen zeitlichen und finanziellen Raum finden. Wir fordern eine bundesweite Initiative zur Stärkung musischer Fächer im Schulunterricht und zur Abwehr von Spar und Kürzungstendenzen in diesem Bereich.

 

V. Kultur kann Brücken zwischen Nationen schlagen und kann, wenn sie richtig eingesetzt wird, in einer zunehmend von sozialer Spaltung geprägten Gesellschaft auch jene erreichen, die der Pragmatismus wirtschaftlichen Denkens ausschließt. Eine europäische Kulturpolitik muss notwendig europäisch gedacht werden. Wir fordern daher die Gründung eines europäischen Think Tanks, an dem Kulturschaffende, Künstler, Philosophen und Kulturpolitiker aus allen europäischen Staaten beteiligt sind.

 

VI. Aus allen Überlegungen zum Abschluss von Freihandelsverträgen ist die Kultur herauszuhalten.

 

VII. Geschichtliches Bewusstsein ist fester Bestandteil unserer Kultur. Geschichte bewusst zu machen, zu vermitteln und ihr Raum zu schaffen, ist Kernaufgabe von Kulturpolitik. Wir fordern, Institutionen, die Kulturgeschichte vermitteln, mit ausreichenden Mitteln auszustatten.