Projekte – Perspektiven - Provokationen

Was Hamburgs Kulturschaffende für die Integration leisten

 

Montag, den 6. Juni um 19:30 Uhr 

Internationale Kulturfabrik Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg 

 

Auf dem Podium:

Amelie Deuflhard, Chefin von Kampnagel

Prof. Jörg Friedrich, Architekt

HM Jokinen, Bildende Künstlerin und Kuratorin

Ansgar Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Alfred Töpfer Stiftung F.V.S.

Moderation: Heide Soltau, freie Journalistin

 

„Projekte – Perspektiven – Provokationen – was Hamburgs Kulturschaffende für die Integration leisten“, unter diesem Titel diskutierten am 6. Juni 2016 in der Kulturfabrik Kampnagel die Hausherrin Amelie Deuflhard, der Architekt Prof. Jörg Friedrich, die bildende Künstlerin und Kuratorin HM Jokinen und Ansgar Wimmer, Vorstandsvorsitzender der Alfred-Töpfer-Stiftung. Die von der Journalistin Heide Soltau moderierte Podiumsrunde war die dritte im Rahmen einer Veranstaltungsserie des Hamburger Kulturforums  unter dem Motto „Willkommenskultur beim Wort genommen“. 

HM Jokinen erläuterte ihr Projekt „ort-m“, in dem sie Geflüchtete und künstlerisch Tätige aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Staaten dazu anregte, sich mit Themen wie Krieg, Flucht, Sozialisierung und Kolonialisierung künstlerisch auseinanderzusetzen. Sie organisierte Workshops, besuchte 14 Wohnunterkünfte, sprach mit Sozialarbeitern. Die Ergebnisse zeigte sie im Februar 2016 in einer Ausstellung. Ein Beitrag zur Integration? „Bevor nicht geklärt ist, wer wohin integriert wird, stehe ich mit dem Wort auf Kriegsfuß.“

 

Für Amelie Deuflhard war die zeitweilige Kooperation mit den „Lampedusa-Flüchtlingen“, die 2014 startete, der Auftakt und die Keimzelle für „wirkliche künstlerische Community-Arbeit“, die sie seitdem in der Kulturfabrik in zahlreichen Varianten entwickelt und fördert. Von Migranten seien höchst unterschiedliche Impulse und Ideen eingegangen. Als Beispiel nannte sie ein Hörfunkprogramm unter dem Titel „Refugee radio“. „Uns geht es vor allem darum, ein paar Menschen, die zu uns gekommen sind, mit den Mitteln der Kunst zu helfen – nicht um eine Image-Steigerung für Kampnagel“.

 

Prof. Jörg Friedrich hat mit Studenten einen Bausatz entwickelt, den Flüchtlinge selbst nach ihren Bedürfnissen ausgestalten können. Aktuell für die Architektur sind, so Friedrich weiter, nicht mehr die Luxus-Objekte: „Der Star-Architekt hat ausgedient.“ Vielmehr seien Formen des „billigen Wohnens“ gefragt. Der Berufsstand habe das Thema lange Zeit vernachlässigt. „Erst seit dem Anwachsen der Flüchtlingswelle wird darüber intensiv nachgedacht.“ Es gehe um das Schaffen von Räumen, in denen das Leben in würdiger Art möglich sei. Das habe auch die diesjährige Biennale in Venedig gezeigt. Schlimmer noch als das Wohnen in riesigen Hallen, auf denen Liege an Liege stehe, 24 Stunden lang das Licht an sei und permanent die Handys klingelten, sei für die Migranten, dass sie nichts arbeiten dürften. Immerhin könnten Architekten dafür sorgen, dass jemand sich z.B. als Friseur betätigen könne.

 

„Unsere Aufgabe liegt darin, uns hinter die vielen Initiativen in der Flüchtlingshilfe zu stellen“, so umschrieb Ansgar Wimmer das Engagement seiner Stiftung. „Nichts ist zu klein, als dass es nicht stattfinden sollte. Es geht uns um die Moderation gesellschaftlicher Veränderungen. Viele arbeiten gut fürs eigene Projekt – aber wie bringt man diese Gruppen an einen Tisch?“, so Wimmer, der im Lauf der Publikumsdiskussion mit dem Mikrofon in der Hand in die Zuschauerreihen ging und drei junge Leute nach ihren Aktivitäten befragte. Es ging um ein Theaterprojekt. Viele Besucher schalteten sich in die Debatte ein. Es war ein Abend, der mehr Anstöße und Anregungen lieferte als Antworten auf Fragen, die das Publikum weiter beschäftigen werden.