Liebe Mitglieder des Kulturforums,

 

das Jahr 2021 hat seine ersten drei Wochen hinter sich, ist aber immer noch jung genug für einen herzlichen Gruß! Ich danke Ihnen allen dafür, dass Sie uns trotz der Absagen und Enttäuschungen, die die Pandemie dem Kulturbetrieb bescherte, treu geblieben sind. Wir haben reichlich Pläne für die kommenden Monate; bisher freilich bremst Corona noch immer unseren Tatendrang. Natürlich überlegen wir, mit welchen digitalen Formaten wir Ihre Neugier wecken können. Konkretes erfahren Sie in absehbarer Zeit.

Immerhin haben wir mit der Stellungnahme des Kulturforum-Vorstands zur Neugestaltung des Bornplatzes und der Kritik an den Plänen für den historisierenden Wiederaufbau der Synagoge lebhafte Resonanz gefunden. Hamburger Medien haben darüber berichtet und tun das auch weiterhin. Wir treten für eine breite, offene Debatte über das Thema ein und fragen nach einer zeitgemäßen, ja zukunftsweisenden Lösung – was liegt näher, als Sie, unsere Mitglieder, zur Teilnahme an diesem Diskurs zu ermuntern?

 

Einige Reaktionen auf unsere Erklärung liefen darauf hinaus, dass wir uns bitteschön zurückhalten sollten; die Entscheidung liege allein bei der jüdischen Gemeinde. Pardon – diese Auffassung teilen wir nicht! Es soll ja darum gehen, jüdisches Leben in Hamburg sichtbarer zu machen und ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. In diesen Meinungsbildungsprozess müssen jedoch sowohl jüdische wie auch nichtjüdische Interessierte aus der Hamburger Stadtgesellschaft einbezogen werden! Im Übrigen gibt es auch unter jüdischen Sachkundigen viele, die Bedenken gegen die originalgetreue Rekonstruktion der Synagoge haben.  Einen Impuls lieferte uns jetzt Ruben Herzberg,ehemaliger Leiter der Klosterschule und früherer Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Daraus einige Zitate:

 

„Der plakative Slogan ‚Nein zu Antisemitismus – Ja zur Bornplatzsynagoge‘ darf nicht dazu führen, eine Debatte um die konkrete Form der Realisierung dadurch zu behindern, dass jeder Vorschlag, der einen originalgetreuen Wiederaufbau der alten Bornplatzsynagoge mit Alternativen versieht, als antisemitisch abgestempelt wird. Aber bei aller Debattierfreude der an jüdischen und städtebaulichen Fragen interessierten Teile der Stadtgesellschaft sollte letztlich entscheidend sein, welche Bedürfnisse und Vorstellungen die heutigen Hamburger Jüdinnen und Juden haben, deren Vorgänger, bevor sie ermordet wurden, vor acht Jahrzehnten die alte Bornplatzsynagoge nach ihrer Schändung in der Pogromnacht auf eigene Kosten abreißen lassen mussten. Ich selbst habe nie die Idee eines originalgetreuen Wiederaufbaus vertreten…Einen Bau in der neoromanischen Architektur des wilhelminischen Kaiserreiches erneut entstehen zu lassen, als hätte es die Pogromnacht und die Shoa nicht gegeben, halte ich für verfehlt°. Herzberg geht jedoch davon aus, dass es möglich sein müsste, „dem neu entstandenen jüdischen Leben in Hamburg an seinem alten Ort ein neues Zuhause zu bauen.“  

 

Was meinen Sie, liebe Mitglieder des Kulturforums? Ich freue mich über Ihre Kommentare, gern per E-Mail an meine Adresse: sonntagwolgast@gmail.com

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Cornelie Sontag-Wolgast

Vorsitzende des Kulturforums Hamburg