Quo vadis, Filmstadt Hamburg?

 

Diese Frage stand am 26. November 2015 im betahaus Hamburg zur Diskussion. Eingeladen waren Eva Hubert, seit 1997 Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH), der Filmregisseur Lars Jessen und Hansjörg Schmidt, SPD, Bürgerschaftsabgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Innovation und Medien.

Es war ein überaus gut besuchtes Podiumsgespräch, das in eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum mündete. Zwei Filmbeiträge sowie die kompetente und spritzige Moderation von Timo Hempel, Kulturforum Hamburg e.V., trugen zu einer sehr unterhaltsamen Veranstaltung bei.

Anlass dieser Podiumsdiskussion war die Tatsache, dass sich Eva Hubert Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedet. Das Kulturforum Hamburg und der Arbeitskreis Medien der SPD nutzten diese Gelegenheit, um ihre Amtszeit Revue passieren zu lassen und über die politische Notwendigkeit von Filmförderung zu diskutieren.

 

Eva Hubert blickt noch einmal auf die Erfolge und Schwierigkeiten der FFHSH zurück, sieht die Zukunft der Filmstadt Hamburg aber optimistisch. Pro Kopf gerechnet, liegt Hamburg  in Sachen Filmförderung relativ weit vorne, so Hansjörg Schmidt, doch Eva Hubert fordert noch mehr Unterstützung seitens der Politik. Als Beispiel nennt sie das renommierte, aber unterfinanzierte Hamburger Filmfest.

 

Die Ausrichtung der FFHSH ist vielfältig. Es gibt Partnerschaften mit NDR und ZDF und das Ziel, Hamburg als dreh- und filmfreundliche Stadt noch attraktiver zu machen. Dazu entstand 2014 in Zusammenarbeit mit der Hamburg Tourismus GmbH die Initiative "Hamburg Loves Film".

Die Nähe der FFHSH  zum Fernsehen stieß bei Regisseur Lars Jessen und auch bei Hansjörg Schmidt auf Kritik. Generell heißt er Kooperationen gut, schwierig wird es aber dann, wenn mit Mitteln der Filmförderung regelmäßige Produktionen finanziert würden. Die Kritik Lars Jessens richtet sich gegen  das Nachwuchsprogramm "Nordlichter", das jungen Regisseuren einen schnellen Einstieg in die Filmbranche ermöglichen soll. Der Umfang der bereitgestellten finanziellen Mittel mache eine tarifgerechte Bezahlung der Mitarbeiter aber unmöglich. Auch eine Refinanzierung durch DVD-Verkäufe oder Kinoausstrahlungen sei nicht möglich, da keinerlei Rechte bei den Produzenten verbleiben.

Dass faire Arbeitsbedingungen wichtig und schützenswert sind, war Konsens aller Podiumsteilnehmer und wurde auch durch einen Beitrag aus dem Publikum nochmals betont.

 

Alle Beteiligten setzen sich leidenschaftlich für den Filmstandort Hamburg ein. Hansjörg Schmidt engagiert sich für ein positives Selbstverständnis zur Filmförderung in der Hamburger Bürgerschaft, Hamburger Produzenten und Filmschaffende durch Eigeninitiativen wie die 2012 gegründete Vereinigung "Hamburg lebt Kino". Um den Filmstandort international bekannt zu machen und Filmschaffende zu vernetzen, fördert die FFHSH auch internationale Co-Produktionen, zum Beispiel mit skandinavischen Nachbarländern oder der Türkei.

Timo Hempel fragte auch nach der Nachwuchsförderung. Eva Hubert berichtete, dass die FFHSH Filme von Studenten der Hamburg Media School und der Hochschule für Bildende Künste Hamburg finanziell unterstützt und die Absolventen beider Universitäten einen gewissen Regionalbonus genießen. Weiter gibt es Workshops und Know-How seitens der FFHSH, um ihnen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Regisseur Lars Jessen sieht Nachwuchsförderung in Hamburg gut aufgestellt .

 

Die Perspektiven für die Filmstadt Hamburg sind gut, man muss die positive Ausgangslage nur richtig nutzen, stellte Hansjörg Schmidt am Ende noch einmal heraus. Eine Hamburger Marke im Film zu schaffen, ist seine Zukunftsvision. Lars Jessen wies darauf hin, dass sich die Höhe der Filmförderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung anpassen müsse, was eine Anhebung des Budgets unumgänglich mache.

Eva Hubert ist positiv gestimmt und hofft, dass die Filmstadt Hamburg zukünftig noch leidenschaftlicher wahrgenommen wird, das Publikum öfter ins Kino geht und sich mehr politische Fürsprecher finden.

(Marita Landgraf)

Fotos: Christian P. Schlichte