Die Kunst des Kunst-Sammelns
Sammlung Kristen
am Mittwoch, den 4. März 2026 um 19.00 Uhr
Versmannkai 16, 20457 Hamburg
Von der Liebhaberei zur Leidenschaft: Viele Kunst-Begeisterte tragen, oft eher zufällig, schöne Einzelobjekte zusammen. Daraus kann sich allmählich u. a. der Wunsch nach dem Aufbau einer Sammlung bis hin zur öffentlichen Präsentation ergeben. Wir möchten spannende Fragen diskutieren:
Das Engagement kann sich erweitern auf persönliche Kontakte und Freundschaften zu Künstlerinnen und Künstlern. Wie kann ich gezielt helfen, eine Karriere aufzubauen und zu fördern?
Es diskutieren:
Gerrit und Tilman Kristen, Privatsammler, die sich auf Gegenwartskunst konzentrieren
Melike Bilir, Galeristin in der Admiralitätsstraße
Dr. Dirk Dobke, Geschäftsführer der Griffelkunstvereinigung Hamburg und Präsident des Dieter Roth Museums
Moderation: Oskar Piegsa, Redakteur im Hamburg-Ressort, DIE ZEIT
Fotos: Diskussionsrunde zum Kunstsammeln, Hafenatmosphäre bei Nacht, Dobke mit Gebrüder Kristen, Moderator Piegsa mit Melike Bilir, Malu Tolle mit Gästen
Ort und Thema der Podiumsdiskussion hatten viele Interessierte angelockt: Im Ausstellungsraum der Sammlung Kristen direkt am Wasser, am Versmannkai im Herzen der Hafen-City, angesichts spektakulärer Kunstwerke ringsum lauschten rund 50 Gäste des Kulturforums einer munteren und anregenden Gesprächsrunde. Und es war eine fast familiäre Stimmung. Wer denn schon mal ein Kunstwerk oder gar mehrere gekauft habe, fragte Moderator Oskar Piegsa (DIE ZEIT Hamburg) zum Auftakt. Etliche meldeten sich. Es war also eine Diskussion für Menschen, die die Freude an Kreativität und Talent antreibt. Gerrit und Tilman Kristen, Sammler und zugleich Gastgeber des Abends, waren sich einig: Zu zweit kann man mehr begeistern als allein. Ob Meister früherer Jahrhunderte oder der Gegenwart: ihr Tun spiegelt zugleich die Lage der Zeit, die Empfindung der Gesellschaft. „Das bleibt“. Die Brüder stellen ihr Sammeln nicht unter ein bestimmtes Motto, „das wäre zu konstruiert“. Ihr Leitwort ist „Leidenschaft“. Das Erwerben wie auch das Verkaufen – beides ein emotionaler Vorgang. Frage: Gibt es auch Werke, die sie so sehr lieben, dass sie sie nicht weggeben wollen? Kopfnicken in der gesamten Runde.
Melike Bilir betreibt seit zehn Jahren eine Galerie an der Admiralitätsstraße. Ihr ist der Austausch mit den Künstlern wichtig. Sie besucht sie in den Ateliers. Sie spricht mit ihnen. „Was machen sie gerade? Wie entwickeln sie sich? Hintergrund-Informationen seien wesentlich. Sammler und Galeristen trügen auch eine Verantwortung, findet sie. Und das Hamburger Käufer-Publikum? Hanseatisch, bedächtig, abwägend. „Aber es gibt ja auch andere Kundschaft. Ob aus Berlin oder anderswo.“ Die Corona-Phase habe Einiges verändert. Und: sie registriert auch Unterschiede innerhalb der Generationen. „Man muss junge Leute mehr abholen. Das geht am ehesten über Events.“
Die Griffelkunstvereinigung hat vor kurzem ihren 100. Geburtstag gefeiert. Ihr Geschäftsführer ist seit 2010 der Kunsthistoriker und Kurator Dirk Dobke. Verlegt werden originale Druckgrafiken – Lithographien, Siebdrucke, Radierungen, Holzschnitte und Photographien. Die Vereinigung zählt 4500 Mitglieder, 1000 weitere Bewerber und Bewerberinnen stehen auf einer Warteliste. Mit anderen Worten: Das Interesse ist groß – vom Studenten bis zum Sammler mit reichem Besitz. Jedes Mitglied erhält pro Jahr vier Angebote. Um geeignete Stücke in hoher Qualität zur Verfügung zu haben, kann die Vereinigung nicht beliebig viele Menschen aufnehmen. Ein „Luxusproblem“, sagt Dobke. Und der Wert ehemalig erworbener Blätter steigt zuweilen um das Vielfache! Aber irgendwann muss doch der Bedarf an Neuanschaffungen gesättigt sein? fragt der Moderator. Dobkes verschmitzte Antwort: „Das Sammeln fängt da an, wo die Wände aufhören…“
Das Kulturforum-Publikum verfolgte die Podiumsdiskussion aufmerksam, Fragen und Kommentare schlossen sich an. Und später, nach dem offiziellen Ende, blieben noch viele im Raum und tauschten bei Wasser und Wein ihre Erfahrungen mit dem Kunstsammeln aus. Sicherlich mit neuen Erkenntnissen.
(Cornelie Sonntag-Wolgast und Malu Tolle)