TikTok, Instagram & Co versus TV, Audio und Tageszeitung
- Zum Umgang mit dem veränderten Medienkonsum -
Podiumsdiskussion am 21. Januar 2026 um 19 Uhr
in der Kulturfabrik Kampnagel, Jarrestr. 20, 22303 Hamburg, Saal kmh
Radionachrichten morgens, die Tageszeitung (ob Print oder online), die Tagesschau um 20 Uhr – das gehört für die mittlere und ältere Generation immer noch zum Standard ihres Medienkonsums. Nicht mehr für die Jüngeren! Sie holen sich ihre Informationen eher über das inzwischen vielfältige und bunte Angebot der „Social Media“. Das verändert und erschwert den Dialog im Familien- und Freundeskreis, es hat Folgen für den gesellschaftlichen Disput, ja auch für das Wahlverhalten. Wie baut man die Barrieren ab? Wie gelingt es, komplexe Sachfragen für junge Leute verständlich und attraktiv aufzubereiten – und andererseits den Älteren die Scheu vor den „Neuen Medien“ zu nehmen? Wie erkennt und sichert man die Seriosität und Verlässlichkeit der Quellen? Fragen, über die zu reden sich lohnt.
Das Kulturforum Hamburg und der DJV Nord laden ein zur Podiumsdiskussion mit:
Melissa Körner, Social-Media-Redakteurin Tagesschau
Dr. Claas Schüddekopf (Leiter des Amtes Medien in der Behörde für Kultur und Medien)
Dr. Christian Stöcker (Professor für Digitale Kommunikation, HAW Hamburg)
Dominique Lars Ziesemer (Geschäftsführer der ARD Unterhaltungs-Koordination)
Moderation: Franziska Herrmann (Journalistin)
Foto Dagmar Gehm: Dr. Christian Stöcker , Cornelie Sonntag-Wolgast, Dr. Claas Schüddekopf, Franziska Herrmann, Melissa Körner, Dominique Lars Ziesemer, Marina Friedt
„Das ist wohl das Thema, was die Journalisten derzeit am meisten umtreibt“, schrieb uns jemand zum Auftakt. Die Resonanz gab ihm Recht: Der Saal auf Kampnagel voll besetzt, rund 130 Interessierte waren der Einladung des Kulturforums Hamburg – diesmal in Kooperation mit dem Deutschen Journalisten-Verband Nord – gefolgt. Die ersten Minuten galten der Vorstellung des Leiters „Amt Medien“ in der Kulturbehörde, Claas Schüddekopf. Er sieht es als seine Hauptaufgabe, Vielfalt zu sichern, aber auch Wirtschaftsförderung zu betreiben, die Kooperation von Wissenschaft und Medienhäusern zu fördern und junges Publikum zu gewinnen. Große Hoffnung setzt er dabei auf das im Aufbau befindliche „Haus der digitalen Welt“.
Zentrales Thema bei der von Franziska Herrmann moderierten Podiumsrunde war dann die Frage, wie man innerhalb des reichen Angebots der Social Media Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit sichert und ob es stärkerer Kontrollmechanismen bedarf. Und bei allem verständlichen Bemühen um unterhaltsame Berichterstattung – kommt die Information dabei nicht zu kurz? „News müssen nicht unterhaltsam sein – aber es hilft!“, so die Einschätzung von Dominique Ziesemer (Geschäftsführer der ARD- Unterhaltungs-Kommunikation). „Notwendig sind andere Erzählweisen. Denn man muss die Leute überhaupt erstmal k r i e g e n“. Christian Stöcker (Professor für Digitale Kommunikation an der HAW Hamburg) gibt zu bedenken, dass Nachrichten, die „unterhaltsam, aber schlimm sind“ – und von denen gibt es ja angesichts der globalen Krisenherde und des unberechenbaren Herrn im Weißen Haus derzeit genug – „junge Menschen nerven“. Claas Schüddekopf: Berichterstattung und generell die Themenaufbereitung müssen nicht unterhaltsam um jeden Preis sein, aber sie sollten die Lebensrealität darstellen. Sollte der Öffentlich-rechtliche Rundfunk auf den Social Media stärker präsent sein? Melissa Körner (Social-Media-Redakteurin der Tagesschau) sieht, dass das durchaus schon der Fall sei. Sie räumt auch auf mit dem Vorurteil, junge Menschen seien politikmüde bzw. -desinteressiert. „Sie sind ganz einfach informations-überflutet. Man muss ihnen die Chance zur transparenten Aufklärung bieten.“ Das Ziel: Information, aber niedrigschwellig und emotional aufbereitet.
Und die klassischen Medien, z.B. die Tagesschau? Christian Stöcker erinnert daran, dass „viele Infos, die sie präsentiert, nicht lange hängenbleiben“. Und das generationenübergreifend. Dennoch bleibt er „lebenslanger Zuschauer der Tagesschau“. Er weist aber auch darauf hin, dass die Social Media schneller und transparenter Falschmeldungen korrigieren können. Alle Podiumsteilnehmer sind sich darin einig, dass die Vermittlung von Medienkompetenz in der Schule wichtig sei. – Und wie steht es um die Verlässlichkeit und Seriosität in den Social Media? Fazit: Da, wo die Regeln des Journalismus befolgt werden – gründliche Recherche, Absicherung durch eine „2. Quelle“ etc – darf man mit ihrer Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit rechnen. Aber das ist auch die unbedingte Voraussetzung – ebenso wie die kritische Aufmerksamkeit der Medienkonsumenten. (Cornelie Sonntag-Wolgast)
Fotos: Dagmar Gehm